Fairphone – Eine Moralische Alternative?

Mittlerweile können die meisten Menschen in der westlichen Welt ein Leben ohne ihre Handys nicht mehr vorstellen. Die Topanbieter Apple, Samsung, HTC und viele mehr bringen jährlich immer leistungsfähigere, aber auch kompaktere Mobiltelefone auf den Markt. Doch eine Frage die sich dabei fast niemand stellt ist: Woher kommen die dafür verwendeten Rohstoffe? Wer baut die Geräte zusammen?

Tatsächlich kommen die meisten Rohstoffe aus afrikanischen Minen mit katastrophalen Arbeitsbedingungen, tiefen Löhnen und Kinderarbeit. Die einzelnen Teile werden in Chinesischen Fabriken zusammengebaut. Dies geschieht ebenfalls bei schlechten Arbeitsbedingungen, tiefem Lohn und Kinderarbeit. Das Holländische Unternehmen Fairphone hat sich zum Ziel gesetzt, diesem Trend entgegenzuwirken und hat ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht.

 

Fairphone B.V.

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CEO Bas van Abel bei einer Mine in der Demokratischen Republik Kongo

Die Firma Fairphone B.V. wurde im Januar 2013 von Bas van Abel in Amsterdam gegründet. Das Hauptziel des Unternehmens ist es, auf die oben genannten Probleme in der Smartphoneindustrie aufmerksam zu machen. Allerdings betreiben die Niederländer nicht nur Aufklärungsarbeit zu diesem Thema, sie haben auch ihr eigenes Endgerät entwickelt, das FP1, welches Ende 2013 erschien. Speziell geachtet wurde bei der Produktion darauf, dass die Rohstoffe nur aus Minen kamen, deren Einnahmen nicht zur Finanzierung von Bürgerkriegen verwendet werden. Daher reiste das Team persönlich nach Kongo um sich die verschiedenen Minen anzusehen, bevor Materialien bezogen wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt, auf den Fairphone achtet, sind die Arbeitsbedingungen in der Fertigungsfabrik in China, welche ihre Smartphones produziert. Streng wird dabei auf die Einhaltung aller Gesetze geachtet. Ausserdem unterstützt das Unternehmen das Projekt „Closing the Loop“, welches auf das Recyceln von Elektroschrott achtet. Dabei werden alte Geräte aus allen Regionen der Welt importiert und wiederverwertet. Diegenigen, welche noch funktionsfähig sind, werden in ärmeren Ländern verwendet, bis sie endgültig nicht mehr zu gebrauchen sind. Danach folgt der Transport nach Europa, wo die alten Telefone recycelt werden.

 

Das FP1

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Das Fairphone 1

Das allererste Produkt der Holländer ist, wie bereits erwähnt, das FP1. Es misst 123 x 64,5 x 9,8 Millimeter, ist 165 Gramm schwer und läuft standartmässig mit dem Android 4.1 Jelly Bean Betriebssystem. Der 4,3 Zoll Bildschirm mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixel (256 ppi) schlägt sich im Vergleich mit vielen Produkten die ähnliche Daten aufweisen überraschend gut, allerdings hält der 2000 mAh Akku nicht allzu lange. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, das Gerät mit 2 SIM-Karten zu betreiben.

Angetrieben wird das Smartphone von einem ARM Cortex A7 Prozessor, der mit 4 x 1,2 GHz taktet. Der Arbeitsspeicher von gerade mal etwas über 1 GB ist allerdings relativ gering. Abgerundet durch eine 8 Megapixel Kamera, die mehr als nur ordentliche Fotos schiesst, ist das FP1 ein durchaus ernstzunehmendes Smartphone, zumal es für einen Einführungspreis von gerademal 325 Euro auf den Markt kam.

Das Ziel von Fairphone, ein langlebiges Handy herzustellen welches über eine Zeitspanne von mehr als 3 Jahren mit Updates versorgt wird scheiterte allerdingst, konnte denn schon ein Update des Betriebssystems von Android 4.2.2 Jelly Bean auf Android 4.4 KitKat nicht durchgeführt werden. Dennoch kann das Projekt durchaus als Erfolg betrachtet werden, wurden doch schon fast 60'000 Geräte verkauft – mehr als die Hersteller zu diesem Zeitpunkt erwartet hatten.

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Innenansicht mit den 2 SIM-Karte Halter

 

Die Zweite Generation

Für den Nachfolger des PF1 kündigte Fairphone an, noch detaillierter auf die Produktionsbedingungen des Handys zu achten. Viel über das Gerät selber ist noch nicht bekannt, nur dass es irgendwann im Sommer oder Herbst 2015 erhältlich sein soll.

 

Kritik

Für die Idee und dem Konzept hinter Fairphone erhielt das Unternehmen fast ausschliesslich gute Kritik. Einige Quellen behaupten allerdings, das Fairphone sei gar nicht so fair und lebe fast ausschliesslich vom Marketing. Es wird argumentiert, der von dem Unternehmen verwendete Begriff „konfliktfreie“ Rohstoffe sage nichts darüber aus, ob die Arbeitsbedingungen auch gerecht sind. Es sei in dieser Hinsicht zwar besser zu bewerten als viele Konkurrenten, so fair wie es dargestellt wird sei es aber bei weitem nicht.

Tatsächlich setzen sich auch andere Hersteller für gerechte Arbeitsbedingungen bei der Herstellung ihrer Geräte ein, wobei hier speziell Motorola und Samsung zu erwähnen sind. Letztere haben gar das Samsung Galaxy S4 von TCO zertifizieren lassen. Das TCO Zertifikat sagt aus, dass bei dem zertifizierten Produkt nicht nur auf faire Arbeitsbedingungen, sondern auch auf Recycling, Reparierbarkeit, Schadstoffvermeidung, Strahlungsschutz und viele weitere relativ strenge Kriterien geachtet wurde.

 

Fazit

Alles in Allem haben die Gründer von Fairphone ein gutes Produkt auf den Markt gebracht. Allerdings muss sehr genau auf die Formulierungen der Produzenten geachtet werden. Ihr Engagement im Bereich Recycling ist beachtlich, allerdings setzen auch andere Smartphonehersteller auf gerechte Arbeitsbedingungen bei der Produktion und Wiederverwertung ihrer Endgeräte, werben aber nicht so stark damit.

 

Quellen:

Artikel vom Tagesanzeiger

Fairphone Homepage

Aeromobile Datenblatt

Artikel von Mobilfunk-Tipps

 

 

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  • Sehr interessant

    Klingt wirklich sehr interessant, was Fairphone macht. Ich finde auch den Text sehr gut gelungen. Einziger Makel: Ich finde die Tatsache, dass auch Unternehmen wie Motorola oder Samsung auf faire Bedingungen setzen, nur nicht so sehr damit werben, verdient mehr als nur eine kurze Randnotiz am Schluss.